| Peacebuilding-Dynamiken und
das Ringen um Local Ownership in Nachkriegs-Kosovo |
Kontakt: Jens Narten,
Dipl. Sozialwiss.
Die Einrichtung einer Peacebuilding-Kommission der Vereinten
Nationen nach dem UN-Gipfel 2005 unterstreicht die fortwährende
Bedeutung internationaler Friedensbemühungen für
Nachkriegsgesellschaften im Bereich des sog. Post-Conflict
Peacebuilding. Im Vergleich mit anderen Einsatzregionen
werden hierfür die internationalen Friedensbemühungen
in der UN-verwalteten Provinz des Kosovo als (relativ) gelungenes
Beispiel für Peacebuilding-Maßnahmen betrachtet,
obwohl dabei inhärente Defizite festgestellt werden
können. Die Maßnahmen umfassen ein sehr weites
Feld an Aktivitäten wie z.b. militärische Sicherheit,
Schaffung demokratischer Institutionen, Menschenrechte und
Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftlicher Wiederaufbau, sowie
gesellschaftliche Vermittlung und Versöhnung. Gleichwohl
erscheint zum Gelingen nachhaltiger Peacebuilding-Aktivitäten
ein Element unerlässlich zu sein: die Anteilhabe der
lokalen Bevölkerung an Peacebuilding-Prozessen, kürzer
bezeichnet als Local Ownership.
Die Studie konzentriert sich auf die Analyse
internationaler Peacebuilding-Maßnahmen in gespaltenen
Gesellschaften unter UN-Interimverwaltung in Bezug zu zentralen
Local Ownership-Aspekten und verwendet dabei ein 3-schrittiges
Analyseverfahren. Erstens werden konstituierende Felder
des Post-Conflict Peacebuilding aufgezeigt und ihre theoriebezogene
Unterfütterung dargelegt. Zweitens unterscheidet die
Studie zwischen Maßnahmen formaler Institutionalisierung
durch graduellen Machttransfer an lokale Bevölkerungsvertreter
einerseits und eher “bottom up”-orientierten
Prozessen von Local Ownership als zivilgesellschaftlich
notwendige Voraussetzung für eine zivile Friedenskultur
andererseits. Drittens arbeitet die Studie aufgrund der
permanenten potentiellen Gefährdung dieser beiden Prozesse
durch diverse Störfaktoren (wie z.b. lokale Gewaltunternehmer,
politische Elitenorientierung, internationale Machtinteressen,
organisationelle Selbstreferenz, etc.) mit der querschnittsanalytischen
Unterscheidung von friedensvermittelnden und friedensstörenden
Faktoren.
Am Beispiel von Peacebuilding-Maßnahmen
internationaler Organisationen wie der UN, OSZE, EU, NATO
und diverser NGOs wird der Analyserahmen auf fünf Schlüsselbereiche
des Peacebuilding angewandt, nämlich auf die Bereiche
Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Wiederaufbau
und Versöhnung. In jedem dieser Bereiche werden zentrale
Beispiele gelungener Local Ownership-Prozesse mit defizitären
Gegenbeispielen abgeglichen, um zu verstehen, welche Faktoren
für ein erfolgreiches und nachhaltiges Peacebuilding
förderlich bzw. hinderlich sind. Auf der Grundlage
der Analyseergebnisse schließt die Studie dann mit
konkreten Empfehlungen für verbesserte Maßnahmen
eines zukünftigen Peacebuilding unter UN-Interimverwaltung
ab. Das Projekt, das 2004 begann, endet voraussichtlich
2009.

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